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Regional-Gutschein von „Dachau handelt“ startet erfolgreich

Dem „Dachau handelt“-Regional-Gutschein ist in kurzer Zeit eine beeindruckende Erfolgsstory gelungen, von dem man gewiss auch für andere Gutschein-Projekte etwas lernen kann.

Nach meinem Beitrag über Regional-Gutscheine lag es für mich als Dachauer nahe, den hiesigen „Dachau handelt“ Gutschein einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Dazu habe ich mich mit Ralf Weimer unterhalten, dem Geschäftsführer der Dachau handelt GmbH. Hier die wichtigsten Inputs aus dem Gespräch:

Erste Materialien von Dachau handelt: Corona-Regeln in den Geschäften erklären.

In der Corona-Krise zusammengefunden

Unter dem Eindruck des ersten Corona-Lockdowns im März 2020 und den drastischen Umsatzeinbußen fand sich zunächst der Dachau handelt e.V. zusammen. Er versteht sich als Gewerbeverband für Stadt und Land, mit dem Ziel, als starke Regionalmarke die Wirtschaftsförderung im Landkreis Dachau zu unterstützen. Nicht nur Unternehmen, Stadt und Landkreis Dachau beteiligen sich, sondern auch bis dahin getrennt voneinander agierende Interessenverbände.

Zu den ersten Aktionen zählte eine Online-Plattform für regionale Angebote und die allseits bekannten 1,5m-Abstands-Aufkleber für die Ladengeschäfte.

Warum hat Dachau handelt einen Regional-Gutschein eingeführt?

Zunächst entspricht es voll und ganz den Vereinszielen: Mit jedem in einen Gutschein eingezahlten Euro wird Kaufkraft in der Region gebunden.

Und dann triggert ein Gutschein auch zusätzliches „normales“ Geld. Wer sonst anderswo oder im Internet eingekauft hat, besucht vielleicht erst aufgrund des Gutscheins mal wieder einen regionalen Laden. Und wer schon mal im Laden ist, kauft oft für einen Betrag ein, der den Gutscheinwert übertrifft.

Die analogen Gutscheine gab es in Stückelungen zu von 5, 10, 20 oder 50 €.

Die erste, analoge Gutscheinkarte

Als im Oktober 2020 die Coronazahlen erneut anstiegen und der Handel mit einem „Lockdown Light“ konfrontiert wurde, kamen vermehrt Anfragen nach einem Gutscheinsystem. Rechtzeitig zur Weihnachtszeit konnte ein erstes einfaches Gutscheinsystem gestartet werden.

Noch 2020 wurden Gutscheine für über 80.000 € verkauft – Geld, das auf diese Weise in der Region blieb. Dieser erste erfolgreiche Versuch hat den Verein ermutigt und zugleich die große Nachfrage nach einem Regional-Gutschein aufgezeigt.

Dachau handelt Gutschein 2.0

Digitale Dachau handelt Karte

Das nächste Ziel war es nun, die Gutscheinkarte noch professioneller aufzuziehen. Um das Gutschein- und Jobkartensystem richtig umsetzen und betreiben zu können, gründete der Verein die 100%ige Tochter Dachau handelt GmbH.

Ein wichtiger Vorteil war die Unterstützung durch Sparkasse und der Volksbank im Landkreis. Die Banken agieren zum einen als Treuhänder – eingezahlte Beträge werden treuhänderisch verwaltet, bis sie ausgegeben werden. Außerdem brachten die Banken ihr fachliches Know-How ein, z.B. in Punkto Bezahlsysteme.

Digital wird die neue Karte durch einen Magnetstreifen des Bezahl-Dienstleisters AVS, mit dem Zahlungen genauso einfach wie mit einer EC-Karte abgewickelt werden können.

Die Gutscheinkarte funktioniert genau wie die bekannten Karten von Amazon oder Netflix: Sie sind anonym, und können nur einmal aufgebraucht werden. Ein Wiederaufladen der Gutscheinkarte ist nicht vorgesehen.

Die aktuelle Lösung hat große Vorteile, so Weimer:

  • Teilbeträge können nun auf Karte verbleiben.
    Bei den analogen Karten musste immer der ganze Wert eingelöst werden. Nun ist kein Rückgeld in Bar mehr nötig, alles kommt in der Region an.
  • Kompatibel mit bestehenden Lesegeräten
    Die Magnetstreifen der Firma AWS funktionieren mit normalen Kartenlesegeräten. Die Gutscheine verursachen so keinen Zusatzaufwand an der Kasse mehr und die meisten Akzeptanzstellen haben bereits ein passendes Lesegerät. Wo das noch nicht der Fall ist, wird ergänzend eine Weblösung angeboten.
  • Besseres Monitoring der Kaufvorgänge.
    Dachau handelt hat nun stets im Blick, wieviel Gutschein-Geld noch in Umlauf ist. Es erkennt in welchen Geschäften/Branchen/Orten am meisten mit den Karten eingekauft wird und kann Trends schneller aufgreifen.

Die Karte wird branchenübergreifend gut angenommen. Beim ersten Anlauf Dezember haben Geschenkeläden besonders profitiert, dies ist aber wohl nur saisonal bedingt. Allein im Dezember 2021 wurden 150.000 € damit in der Region gehalten, 750.000 € ist die Prognose für das Gesamtjahr 2022.

Selbe Marke, anderes Produkt: die Jobkarte

Jobkarte und Gutscheinkarte – Bewusst zwei verschiedene Produkte

Es sei entscheidend, die Angebote klar zu kommunizieren und verständlich zu halten, so Weimer. Jobkarten und Gutschein sind daher als zwei grundverschiedene Produkte angelegt, die unter der gemeinsamen Marke vermarktet werden.

Steuerfreie Sachbezüge als Basis

Sachbezüge sind bis zur Grenze von 50 € im Monat steuerfrei. Ein Arbeitgeber kann seinen Arbeitnehmern greifbare Vorteile bieten, wenn er diese Freigrenze ausnutzt. Lange galt diese Regelung als Steuerschlupfloch und Auslaufmodell, doch seit der Corona-Krise erleben die Sachbezüge mit der Betonung auf Regionale Wertschöpfung einen regelrechten Boom.

Um Sachbezüge für Arbeitgeber zu organisieren, gibt es schon seit längerem Systemanbieter. die Platzhirschen sind Edenred und Givve. Wirtschaftsvereinigungen wie Dachau handelt sehen diese Anbieter aber kritisch, weil sie in der Regel keinen regionalen Nutzen spenden. Überregionale Marken und Großhändler stehen dort im Vordergrund. Erst seit kurzem fangen sie an, auf den „Regionalzug“ aufzuspringen.

Dachau handelt hat daher in Zusammen­arbeit mit den lokalen Banken eine eigenständige Lösung aufgebaut. Dabei erwies sich das Thema Sachbezüge als steuerrechtlich recht undurchsichtig. Wichtig war z.B. die Klärung, welche Akzeptanzstellen mit angeboten werden dürfen. Gelten Dienst­leistun­gen auch als Sachbezug? Nach Rücksprache mit dem Finanzamt sind sie aktuell mit dabei. Anders als die Gutscheine werden sie personalisiert und vom Arbeitgeber monatlich neu aufgeladen. Die Beträge können bis zu 3 Jahre lang angesammelt werden.

Erste Erfahrungen sehr positiv

Nach den ersten drei Monaten hatten bereits ca. 800 Arbeitnehmer die Jobkarte. Weimer betont, dass nicht nur große Firmen, sondern auch KMUs dazu kommen. Gerade kleinere Firmen im Landkreis haben den Steuervorteil bisher noch nicht für sich genutzt, obwohl er bereits ab dem ersten Mitarbeiter anwendbar ist. Dabei ist es besonders hilfreich, dass Dachau handelt die Firmen bei der Einführung der Jobkarte organisatorisch unterstützt.

Als schönes Beispiel nennt er auch den Anruf einer Augsburger Firma. Dort hat man viele in Dachau wohnende Mitarbeiter und möchte für diese eine Dachau handelt Jobkarte. Eine interessante Vision für regionale Gutscheinsysteme: Eine Firma mit Mitarbeitern aus mehreren Regionen erwirbt für jeden Mitarbeiter die passende regionale Karte.

Wie geht es weiter

Zunächst wir Dachau handelt vor allem weitere Partner als Akzeptanzstellen gewinnen. Insbesondere mit den kommunalen Betrieben wie z.B. den Stadtwerken ist man im Gespräch. Es wäre schön, wenn man auch Citybus, Freibad und Behördengebühren mit Job- und Gutscheinkarte zahlen könnte. Doch staatliche Kooperationspartner eher naturgemäß eher zögerlich, sie müssen vor allem ihre Pflichtaufgaben erfüllen.  

Für Erweiterungen und künftige Projekte liegen bei Dachau handelt viele Ideen auf dem Tisch. Doch die Ressourcen sind begrenzt, alles beruht auf ehrenamtlichem Engagement. Generell will man lieber nicht alles auf einmal angehen, sondern neue Elemente schrittweise hinzufügen.

Erfolgsfaktoren

Was sind also aus Herrn Weimers Sicht die Erfolgsfaktoren für einen Regional-Gutschein?

  • Die Zeit ist reif.
    Gutscheinsysteme sprießen aktuell aus dem Boden, sie liegen voll im Trend. Sie profitieren vom Zeitgeist und den Eindrücken das Corona-Krise. Jetzt ist sowohl bei Verbraucher als auch Unternehmern das Bewusstsein dafür gestiegen ist, dass die regionale Wertschöpfung aktiv gefördert werden muss.
  • Benutzerkomfort.
    Ein neues System muss zeitgemäß und bequem nutzbar sein, damit es angenommen wird.
  • Ein Versuch schadet nichts.
    Der Aufwand für neue Akzeptanzstellen ist minimal. Kosten fallen nur bei Transaktion an.
    Keine Anfangsinvestition (Lesegerät meist schon vorhanden), keine Ausstiegskosten oder -fristen.

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